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Liebes Kind

Liebes Kind

von Romy Hausmann


Inhalt - Dieser Thriller beginnt, wo andere enden Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Thriller
384 Seiten

2019 dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-423-43561-1

Kurztext / Annotation

Dieser Thriller beginnt, wo andere enden

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen "Zirkulationsapparat". Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.

In ihrem emotional schockierenden und zugleich tief berührenden Thriller entrollt Romy Hausmann Stück für Stück das Panorama eines Grauens, das jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

Romy Hausmann wurde 1981 geboren und war mit 24 Jahren Redaktionsleiterin bei einer Münchner Fernsehproduktion. Dort hat sie mit hunderten von Protagonisten gearbeitet und von deren Leben erzählt: von misshandelten Ehefrauen, somalischen Kriegsflüchtlingen, vernachlässigten Kindern. Seit der Geburt ihres Sohnes arbeitet sie frei fürs Fernsehen, seit 2016 schreibt sie regelmäßig für den blog <a href="Darin erzählt sie von all den persönlichen Dingen und Erfahrungen, die ihr wirklich wichtig sind: Von nicht-linearen Lebenswegen, von Stolpersteinen und Niederlagen, vom Mut zur Veränderung und der Zuversicht, auch im Scheitern stark sein zu können. Liebes Kind' ist ihr Thrillerdebüt. Romy Hausmann wohnt mit ihrer Familie in einem abgeschiedenen Waldhaus in der Nähe von Stuttgart.


Textauszug

Die Unfallnacht

Hannah

Am Anfang ist es leicht. Ich drücke meinen Rücken gerade und atme tief durch. Ich klettere in den Krankenwagen und fahre mit. Ich sage den Männern in den orangefarbenen Jacken Mamas Namen und dass sie Blutgruppe AB negativ hat. AB negativ ist die seltenste Blutgruppe und zeichnet sich dadurch aus, dass sie keine Antikörper gegen die Blutgruppen A und B besitzt. Das bedeutet, dass Mama das Blut aller anderen Blutgruppen bekommen kann. Das weiß ich, weil wir im Unterricht schon über Blutgruppen geredet haben. Und weil es im dicken Buch steht. Ich glaube, ich habe alles richtig gemacht. Erst, als ich aus Versehen an meinen Bruder denke, fängt mein Knie an zu zittern, das rechte. Jonathan wird sich bestimmt fürchten ohne mich.

Konzentrier dich, Hannah. Du bist doch schon ein großes Mädchen.

Nein, heute bin ich klein und dumm. Es ist kalt, es ist zu hell, es piept. Ich frage, woher das Piepen kommt, und einer der Männer in den orangefarbenen Jacken sagt: "Das ist das Herz deiner Mutter."

Es hat noch nie gepiept, das Herz meiner Mutter.

Konzentrier dich, Hannah.

Die Fahrt ist wackelig, ich mache die Augen zu. Das Herz meiner Mutter piept.

Sie hat geschrien, es hat geknallt. Wenn das Herz meiner Mutter jetzt aufhört zu piepen, dann wird das das Letzte sein, was ich von ihr gehört habe, einen Schrei und einen Knall. Und sie hätte mir nicht mal Gute Nacht gesagt.

Der Krankenwagen macht einen kleinen Hüpfer, dann steht er.

"Wir sind da", sagt der Mann. Er meint, beim Krankenhaus.

Ein Krankenhaus ist ein Gebäude, in dem durch ärztliche Hilfeleistung Krankheiten oder Verletzungen behandelt werden.

Der Mann sagt: "Nun komm schon, Mädchen."

Meine Beine laufen wie automatisch und so schnell, dass ich gar nicht mehr mitkomme, meine Schritte zu zählen. Ich folge den Männern, die die ratternde Trage durch eine große Glastür unter einem grell beleuchteten Schild mit der Schrift "Notaufnahme" schieben, und dann weiter über einen langen Flur. Wie auf Kommando schwärmen von rechts und links Helfer heran, und viele Stimmen reden aufgeregt durcheinander.

"Du kannst hier nicht mit rein", sagt ein dicker Mann in einem grünen Kittel und schubst mich ein bisschen zur Seite, als wir bei einer weiteren großen Tür am Ende des langen Flurs angelangt sind. "Wir schicken jemanden, der sich um dich kümmert." Sein Zeigefinger fliegt in Richtung einer Stuhlreihe an der Wand. "Setz dich solange da hin."

Ich will was sagen, aber die Worte kommen nicht raus, und der Mann hat sich sowieso schon längst umgedreht, um mit den anderen Helfern durch die Tür zu verschwinden. Ich zähle die Stühle an der Wand - sieben. Er hat nicht dazugesagt, auf welchen Stuhl ich mich setzen soll, der dicke Mann im grünen Kittel. Ohne es zu merken, habe ich angefangen, an meinem Daumennagel rumzukauen. Konzentrier dich, Hannah. Du bist doch schon ein großes Mädchen.

Ich sitze mit angezogenen Knien auf dem Stuhl in der Mitte und zupfe Tannennadeln und kleine braune Rindenplättchen aus dem Rock meines Kleides. Ich bin ziemlich schmutzig geworden heute Abend. Jonathan fällt mir wieder ein. Der arme kleine Jonathan, der zu Hause geblieben ist und saubermachen muss. Ich stelle mir vor, dass er weint, weil er nicht weiß, wie er die Flecken aus dem Teppich im Wohnzimmer rausbekommen soll. Ich bin mir sicher, dass wir im Vorratsraum die richtigen Putzmittel haben, nur hat Papa die Tür mit zwei Schlössern gesichert. Eine Vorsichtsmaßnahme, wie wir viele davon haben müssen. Man muss immer vorsichtig sein.

"Hallo?", eine Frauenstimme.

Ich springe von meinem Stuhl auf.

"Ich bin Schwester Ruth", lächelt die Frau und greift nach meiner Hand, um sie zu schütteln. Ich sage ihr, dass ich Hannah heiße und dass Hannah ein Palindrom


Beschreibung für Leser

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