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Sieben leere Häuser

Sieben leere Häuser

von Samanta Schweblin


Inhalt - Eine Frau kehrt in ihr ehemaliges Zuhause zurück, um ihre Kinder mitzunehmen, doch die sind verschwunden und stattdessen sieht sie die Eltern ihres Exmanns ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Stories
149 Seiten

2018 Suhrkamp
Übersetzt von: Marianne Gareis
ISBN 978-3-518-75720-8

Kurztext / Annotation

Eine Frau kehrt in ihr ehemaliges Zuhause zurück, um ihre Kinder mitzunehmen, doch die sind verschwunden und stattdessen sieht sie die Eltern ihres Exmanns im Garten tanzen, nackt und kreischend wie wilde Tiere. Ein Mann und seine Tochter durchstreifen die Nachbarschaft, brechen in Häuser ein und stehlen persönliche Gegenstände, und als sie schließlich gefasst werden, eskaliert die Situation in unvorstellbarer Weise. Eine alte Frau wird von ihren Nachbarn auf perfide Weise bedroht - oder hat sie gar keine Nachbarn mehr?

Sieben leere Häuser seziert unsere Ängste und die kollektiven Alpträume unserer Zeit und lässt uns an dem zweifeln, was wir Normalität nennen. Sosehr wir uns auch dagegen wehren, in diesen meisterhaft lakonischen Erzählungen kommen wir dem Unheimlichen bedrohlich nahe.

Samanta Schweblin ist eine "Virtuosin der Verstörung" ( New York Times ). Sie führt uns durch sieben bewohnte und doch geisterhaft leere Häuser. Dorthin, wo das Alltägliche von den Schreckensgebilden unserer Fantasie kaum zu unterscheiden ist.

Samanta Schweblin wurde 1978 in Buenos Aires geboren. Für ihren Erzählungsband Die Wahrheit über die Zukunft erhielt sie 2008 den Premio Casa de las Américas sowie den Juan-Rulfo-Preis, für den soeben in spanischer Sprache erschienenen Band Siete casa vacías erhielt sie den Premio de narrativa breve Ribera del Duero de Españ;a. Das Gift ist ihr erster Roman, er erscheint in über zwanzig Ländern. Samanta Schweblin lebt und arbeitet in Berlin.


Textauszug

Nichts von all dem

"Wir haben uns verfahren", sagt meine Mutter.

Sie bremst und beugt sich über das Lenkrad. Ihre knochigen alten Finger umklammern den Plastikbezug. Wir befinden uns eine gute halbe Stunde von zu Hause entfernt, in einem unserer Lieblingsviertel. Die Häuser sind hier groß und schön, die Straßen jedoch unbefestigt und matschig, weil es die ganze Nacht geregnet hat.

"Musstest du mitten im Matsch anhalten? Wie sollen wir da jetzt wieder rauskommen?"

Ich öffne meine Tür und sehe nach, wie tief sich die Räder eingegraben haben. Ziemlich tief, tief genug. Ich knalle die Tür zu.

"Was machst du eigentlich, Mama?"

"Wie, was mache ich eigentlich?" Ihre Verblüffung wirkt echt.

Ich weiß genau, was wir machen, aber gerade ist mir bewusst geworden, wie abartig das ist. Meine Mutter scheint nicht zu verstehen, doch als sie begreift, was ich meine, antwortet sie.

"Wir sehen uns Häuser an", sagt sie.

Sie blinzelt mehrmals, hat zu viel Wimperntusche aufgetragen.

"Wir sehen uns Häuser an?"

"Ja. Wir sehen uns Häuser an." Sie deutet auf die Häuser zu beiden Seiten.

Sie sind gigantisch. Strahlend erheben sie sich auf ihren im Abendlicht glänzenden Grashügeln. Meine Mutter seufzt und lehnt sich zurück, ohne das Lenkrad loszulassen. Viel mehr wird sie nicht sagen. Vielleicht weiß sie nicht, was sie noch sagen soll. Aber genau das machen wir. Wir fahren herum und sehen uns Häuser an. Wir fahren herum und sehen uns Häuser von anderen Leuten an. Würde man das jetzt näher analysieren, wäre es womöglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, die Bestätigung dafür, wie rücksichtslos meine Mutter, seit ich denken kann, mit meiner Zeit umgeht. Meine Mutter legt den ersten Gang ein, und zu meiner Überraschung schafft sie es anzufahren, obwohl die Räder kurz durchdrehen. Ich blicke zurück auf die nächste Kreuzung und die wilde Zeichnung, die wir auf der matschigen Straße hinterlassen haben, und hoffe inständig, dass kein Wachmann mitkriegt, dass wir gestern, zwei Kreuzungen weiter, schon das Gleiche gemacht haben, und anschließend, fast an der Auffahrt zur Hauptstraße, nochmal dasselbe. Wir fahren weiter. Meine Mutter lenkt stur geradeaus, ohne vor einem der großen Häuser anzuhalten. Sie gibt keinen Kommentar zu den Umzäunungen, Hängematten oder Markisen ab. Sie seufzt nicht und trällert auch kein Lied, hält nicht an, um sich die Adressen aufzuschreiben. Sieht mich nicht an. Ein paar Straßen weiter werden die Häuser vornehmer, die Hügel flacher, und die großzügigen, gärtnergepflegten Rasenflächen beginnen ganz ohne Bürgersteig direkt an der unbefestigten Straße. Perfekt eingeebnet überziehen sie die Grundstücke wie ein grüner, ebenerdiger Wasserspiegel. Meine Mutter biegt nach links ab und fährt ein paar Meter weiter. Dann sagt sie laut, aber zu sich selbst:

"So kommen wir nicht weiter."

Vor uns stehen noch ein paar Häuser, dann endet die Straße an einem Waldstück.

"Hier ist es ziemlich matschig", sage ich, "wende besser, aber ohne anzuhalten."

Sie sieht mich stirnrunzelnd an, fährt rechts dicht an den Rasen ran und versucht, über die linke Seite zu wenden. Das Ergebnis ist desaströs: An der linken Rasenfläche angelangt, hat sie gerade mal eine schlingernde Diagonale geschafft. Sie bremst.

"Scheiße", sagt sie.

Sie beschleunigt, und die Räder drehen durch. Ich blicke nach hinten, um das Terrain zu erkunden. In dem Garten steht ein Junge, fast schon am Hauseingang. Meine Mutter gibt wieder Gas und schafft es, rückwärts loszukommen. Und dann macht sie Folgendes: Sie fährt im Rückwärtsgang quer über die Straße und auf den Rasen vor dem Haus des Jungen und zeichnet dort eine doppelte Schlammspur auf das breite, frisch gemähte Rasenstück. Vor den Panoramafenstern des Hauses kommt der Wagen zum Stehen. Der Junge, der einen Plastiklaster in der Hand hält, starrt uns fasziniert an. Ich


Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet


Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Samanta Schweblin, geboren 1978 in Buenos Aires, hat Filmwissenschaften studiert und war, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, Inhaberin einer Agentur für Webdesign. Ihre ersten beiden Erzählungsbände sind mehrfach preisgekrönt, ihre Erzählungen wurden bereits ins Englische, Französische und Schwedische übersetzt.

Marianne Gareis, geboren 1957 in Illertissen, lebt als Übersetzerin, u. a. von José Saramago, in Berlin.

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