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Die Erwählten

Die Erwählten

von Steve Sem-Sandberg


Inhalt - Adrian Ziegler, der aus einem sozial und erbbiologisch "minderwertigen" Elternhaus stammt, wird im Alter von elf Jahren nach Steinhof gebracht. Dort gehen ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Roman
525 Seiten

2015 Klett-Cotta
Übersetzt von: Gisela Kosubek
ISBN 978-3-608-10830-9

Kurztext / Annotation

Adrian Ziegler, der aus einem sozial und erbbiologisch "minderwertigen" Elternhaus stammt, wird im Alter von elf Jahren nach Steinhof gebracht. Dort gehen für die Kinder Phantasie und Wirklichkeit ineinander über. Der Anblick des Berges vor dem Fenster weckt bei ihnen die Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht. Adrian Ziegler, der aus einem sozial und erbbiologisch "minderwertigen" Elternhaus stammt, wird im Alter von elf Jahren nach Steinhof gebracht. Dort gehen für die Kinder Phantasie und Wirklichkeit ineinander über. Der Anblick des Berges vor dem Fenster weckt bei ihnen die Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht. Adrians Aufsässigkeit, einschließlich einer kurzzeitigen Flucht, lassen ihn sämtliche Stationen dieser Hölle des Nazi-Systems durchlaufen. Er kommt als Anschauungsobjekt in den Vorlesungssaal und schließlich auf die Krankenstation. Dort arbeitet Anna Katschenka, die den Umgang mit Kindern liebt. Doch Loyalität und Treue lassen sie fraglich erscheinende ärztliche Anweisungen strikt befolgen. Sie macht sich dadurch mitschuldig am Leiden und Tod zahlreicher Kinder. Steve Sem-Sandberg gelingt eine eindrucksvolle Schilderung des Lebens über mehr als sechs Jahrzehnte, wie es sich auch am finstersten Ort gestaltet.

Steve Sem-Sandberg, geboren 1958, ist einer der renommiertesten schwedischen Autoren. Für den Roman "Die Elenden von Lódz" hat er den schwedischen August-Preis verliehen bekommen. Er lebt in Stockholm und Wien.


Textauszug


I
Pflegekind

Die Anstalt Das erste Mal wurde er im Januar 1941 auf den Spiegelgrund gebracht, eines klaren kalten Wintermorgens, an dem das bleiche Licht über dem Boden vor Frost glitzerte. Adrian Ziegler sieht noch die kupfergrüne Kuppel der Anstaltskirche vor sich, die sich auf dem Berg oberhalb der Pavillons erhob, und dahinter den Himmel, so blau, wie kein Himmel in Wirklichkeit blau sein kann, nur auf einer Postkarte oder vielleicht auf einem Plakat. Der Wagen hielt direkt hinterm Tor bei den Direktions- und Verwaltungsgebäuden. Dort stand eine Schwester, die ihn als Erstes zum Direktor der Anstalt brachte, einem blassen, ernst blickenden älteren Herrn in dunklem Anzug, der sie in Empfang nahm und sämtliche Papiere unterschrieb. Dann ging es zu einem Pavillon links vom Haupteingang, wo ein Arzt wartete und eine andere Schwester Adrian zuschrie, er solle sich ausziehen und auf eine Waage stellen. Lange sollte Adrian behaupten, er hätte nicht die leiseste Ahnung, wer ihn am Spiegelgrund aufgenommen habe. Erst viel später, als er Einsicht in das Untersuchungsprotokoll erhielt und auf dem Dokument Name und Unterschrift von Doktor Heinrich Gross wiedererkannte, wurde ihm klar, dass es tatsächlich derselbe Mensch gewesen war, der ihn sein Leben lang verfolgen sollte, auch noch viele Jahre, nachdem er freigekommen war. Jetzt aber ist dieser Mann nur eine fremde, furchteinflößende Person im Arztkittel, die Adrian zwingt, den Mund möglichst weit aufzusperren, und dessen harte Finger seinen Schädel pressen und kneten und der sich dann seinen Nacken vornimmt und ihm Wirbel für Wirbel das Rückgrat hinunterfährt. Die Untersuchung dauert über eine Stunde, und Doktor Gross nimmt dabei Gegenstände zu Hilfe, die Adrian noch nie gesehen hat. So wird sein Schädel mit einem kreisrunden Instrument vermessen, das vorn in zwei Spitzen ausläuft. Er muss auf einem hohen Stuhl Platz nehmen, dessen Sitzfläche auf beiden Seiten mit Klappen festgestellt wird, und Doktor Gross lässt einen Gegenstand vor ihm herunter, um erst den Abstand zwischen seinen Augen, dann den zwischen Auge und Kinn zu messen. Anschließend streift sich Doktor Gross ein Paar Handschuhe über, betastet Adrians Testikel und drückt ihm den Finger in den Anus. Als die Untersuchung beendet ist, holt ihn die Schwester, die ihn in Empfang genommen hat, wieder ab. Es ist noch früh am Vormittag. Im Gang fällt das weiße Winterlicht auf das eintönige Rhombenmuster der Bodenfliesen, etwas, das er später oft vor sich sehen sollte: dieses seltsame Flimmern auf Wänden und Fußböden in Schlafsälen und Fluren, das ein eigenes Leben zu haben schien, ganz und gar unabhängig von den Kindern hier, wodurch es beständiger wirkte als sie. Die Schwester aber hat natürlich keine Geduld. Kommst du jetzt, oder willst du hier den ganzen Tag Maulaffen feilhalten? Sie gehen durch eine Tür an der Rückseite des Gebäudes nach draußen. Dort, zwischen hohen Bäumen, bekommt er nun die lange Reihe dicht nebeneinanderliegender Pavillons, die in den nächsten Jahren sein Zuhause sein sollten, das erste Mal zu Gesicht, sieht sie fahl und kompakt in dem langgestreckten frostweißen Bergschatten stehen. Die Pavillons sehen alle gleich aus mit ihren unregelmäßig unterbrochenen Klinkerfassaden und vergitterten Fenstern. Eine Anstaltsbahn scheint sie miteinander zu verbinden. Von weiter oben kommt eine kleine rotweiß gestrichene Lokomotive mit drei angehängten Waggons gefahren. Sie sieht aus wie eine Spielzeuglok. Pavillon Nummer 9, künftig sein Pavillon, liegt auf der linken Seite, zwei Reihen von der Mittelachse entfernt. Die Schwester zieht einen großen Sch


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