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Ohne ein einziges Wort

Ohne ein einziges Wort

von Rosie Walsh


Inhalt - Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Roman
528 Seiten

2018 Goldmann
Übersetzt von: Stefanie Retterbush
ISBN 978-3-641-22258-1

Kurztext / Annotation

Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.

"Ohne ein einziges Wort" ist das Debüt der britischen Autorin Rosie Walsh und wurde über Nacht in 30 Länder verkauft. Wenn sie nicht schreibt, liebt sie es, draußen zu sein, spielt Violine in einem Orchester, kocht und rollt ihre Yogamatte aus, so oft sie kann. Sie lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Bristol.


Textauszug


Zweites Kapitel

Sechster Tag: Als wir es beide wussten

Das Gras war feucht geworden. Feucht und dunkel war es und sehr geschäftig. Es erstreckte sich von hier bis zum rußschwarzen Waldrand und wimmelte nur so von arbeitsamen Ameisenbataillonen und behäbigen Schnecken und winzigen, hauchdünne Seidenfäden ziehenden Spinnen. Die Erde unter uns saugte das letzte bisschen Wärme auf wie ein durstiger Schwamm.

Eddie lag neben mir und summte die Star-Wars- Titelmelodie. Sein Daumen streichelte meinen. Behutsam, sanft wie die Wolken, die gemächlich über die schmale Mondsichel am Himmel über uns strichen. "Komm, wir suchen Außerirdische", hatte er vorhin gesagt, als der violette Himmel sich langsam purpurrot gefärbt hatte. Und jetzt lagen wir beide immer noch hier.

In der Ferne hörte ich den letzten Zug des Tages laut seufzend über den Hügel schnaufen, und ich musste lächeln beim Gedanken daran, wie Hannah und ich als Kinder immer hier draußen gezeltet hatten. Auf einem kleinen Streifen Wiese, in diesem kleinen Tal, versteckt vor der, wie es mir damals schien, winzig kleinen Welt.

Kaum hatte sich der Sommer angekündigt, hatte Hannah jedes Jahr aufs Neue unsere Eltern angebettelt, endlich das Zelt aufstellen zu dürfen.

"Also gut", hatten sie dann irgendwann widerstrebend nachgegeben. "Solange du im Garten bleibst."

Der Garten vor dem Haus war platt und eben. Er war von beinahe jedem Fenster einsehbar. Aber das reichte Hannah nicht. Sie war zwar fünf Jahre jünger als ich, aber immer schon viel verwegener und abenteuerlustiger gewesen. Sie wollte hinaus auf die große Wiese, hinaus in die weite Welt. Die Wiese zog sich den steilen Hang hinter dem Haus hinauf und war ganz oben gerade eben genug, um dort ein Zelt aufzustellen. Einsehbar war es nur vom Himmel. Sie war mit harten, eingetrockneten Kuhfladen-Frisbees übersät und so steil, dass man von oben beinahe in unseren Schornstein gucken konnte.

Unsere Eltern fanden Zelten auf der Wiese keine besonders gute Idee.

"Aber da kann doch gar nichts passieren", hatte Hannah mit ihrer vorlauten Piepsstimme beharrt. Wie diese Stimme mir fehlte.

"Alex ist doch dabei." Hannahs beste Freundin war eigentlich ständig bei uns zu Hause. "Und Sarah auch. Die beschützt uns, wenn irgendwelche Bösewichter uns was wollen."

Als wäre ich ein schrankgroßer Muskelprotz mit zielsicherem rechten Haken.

"Und wenn wir zelten, brauchst du uns auch kein Abendessen zu machen. Und kein Frühstück ..."

Hannah war wie ein Minibulldozer; nie gingen ihr die Argumente aus, und immer gaben unsere Eltern irgendwann klein bei. Zuerst schlugen sie neben uns auf der Wiese ihr Zelt auf. Aber irgendwann, als ich mich gerade mühsam durch den undurchdringlichen, unwegsamen Dschungel der Pubertät schlug, erlaubten sie Hannah und Alex, allein draußen zu campen, mit mir als Aufpasserin.

Und so lagen wir drei dann zusammen in Dads altem Festivalzelt - ein ausladendes Ding aus orangerotem Segeltuch, riesig wie ein Beduinenzelt - und lauschten auf die Sinfonie seltsamer Geräusche draußen im Gras. Oft lag ich noch lange wach, nachdem meine kleine Schwester und ihre beste Freundin längst eingeschlafen waren, und fragte mich, wie ich die beiden beschützen sollte, würde man uns tatsächlich überfallen. Die Last dieser verantwortungsschweren Aufgabe, Hannah zu beschützen - nicht nur hier im Zelt, sondern immer und überall -, fraß sich wie geschmolzenes Gestein in meinen Magen, kochend wie ein brodelnder Vulkan. Mal ehrlich, was hätte ich denn schon ausrichten können? Potenzielle Angreifer mit gekonnten Teeniehandkantenschlägen ausschalten? Sie mit einem marshmallowverklebten Grillspieß erdolchen?

Oft zögerlich, nicht besonders selbstsicher , so hatte meine Klassenlehrerin mich mal in einem Zeugnis beschrieben.

"Na toll, das ist ja mal wirklich hilfreich", hatte Mum gebrummt in dems


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