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Die andere Frau

Die andere Frau

von Michael Robotham


Inhalt - In den frühen Morgenstunden erhält der Psychologe Joe O'Loughlin einen alarmierenden Anruf: Sein Vater William ist Opfer eines brutalen Überfalls geworden ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Psychothriller
480 Seiten

2018 Goldmann
Übersetzt von: Kristian Lutze
ISBN 978-3-641-23122-4

Kurztext / Annotation

In den frühen Morgenstunden erhält der Psychologe Joe O'Loughlin einen alarmierenden Anruf: Sein Vater William ist Opfer eines brutalen Überfalls geworden und liegt im Koma. Joe eilt ins Krankenhaus - und hält schockiert inne, als er das Zimmer betritt. Denn am Bett seines Vaters sitzt nicht Joes Mutter Mary, sondern eine völlig Fremde, tränenüberströmt, mit blutbefleckten Kleidern und der absurden Behauptung, Williams Ehefrau zu sein. Wer ist sie wirklich? Bekannte, Geliebte, verwirrte Seele - Mörderin? Gegen den Willen der Polizei beginnt Joe, eigene Ermittlungen anzustellen. Und muss erkennen, dass er für die Wahrheit einen hohen Preis bezahlt ...

Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Er war lange als Journalist tätig, bevor er sich ganz der Schriftstellerei widmete. Mit seinen Romanen stürmt er regelmäßig die Bestsellerlisten und wurde bereits mit mehreren Preisen geehrt, unter anderem mit dem renommierten Gold Dagger. Michael Robotham lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Sydney.


Textauszug

3

Meine älteste Schwester Lucy wohnt in Henley, westlich von London, zusammen mit ihrem Mann Eric, einem Fluglotsen, und drei Kindern, deren Namen ich mir nie merken kann, weil sie alle auf "i" enden. Ich drücke ihre Nummer und lausche dem Klingeln.

Lucy nimmt ab. Mein linker Arm zittert. Sie ist im Auto.

"Kannst du telefonieren?"

"Ich habe auf Freisprechen gestellt. Was ist los?"

"Dad ist im Krankenhaus. Er hatte irgendeinen Unfall. Er wurde gestern Nacht operiert, um den Hirndruck zu entlasten."

Ihre Stimme wird anders, höher. "Ist er gefahren?"

"Ein Sturz, glaube ich. Er liegt im St. Mary's Hospital in Paddington."

"Hast du mit ihm gesprochen?"

"Er liegt im Koma."

"Mein Gott! Wo ist Mummy?"

"Sie nimmt einen Zug."

"Was ist mit Patricia und Rebecca?"

"Ich hab dich als Erste angerufen."

Lucy ist die natürliche Anführerin unter uns Geschwistern - die kompetente, organisierte Schwester, die Familienfeiern organisiert, keinen Geburtstag vergisst und jedes Weihnachten unseren "Heimliches Christkind"-Geschenkeeinkauf koordiniert. Patricia, meine zweitälteste Schwester, lebt mit ihrem Mann Simon, einem Anwalt für Strafrecht, in Cardiff. Rebecca, die Jüngste, ist eine Überfliegerin, die für die Weltbank in Genf arbeitet. Ich bin das Baby der Familie - der lange erwartete Junge, aber nicht der kleine Prinz. Von dieser Position habe ich abgedankt, als ich entschied, nicht Chirurg, sondern Psychologe zu werden, und damit eine mehr als hundert Jahre zurückreichende medizinische Dynastie beendete.

"Ich ruf Patricia an", übernimmt Lucy das Kommando. "Rebecca ist im Südsudan. Vielleicht erreichst du sie auf ihrem Handy. Ich komme, sobald ich kann."

Nachdem Lucy aufgelegt hat, rufe ich Rebecca an und hinterlasse eine Nachricht, in der ich knapp die Details schildere und erkläre, sie solle sich keine Sorgen machen und mich zurückrufen. Und jetzt, was als Nächstes? Es muss noch andere Freunde der Familie geben, denen ich Bescheid sagen kann, doch ich will die Nachricht nicht teilen, noch nicht. Wie auf Autopilot starre ich aus dem Fenster - auf die von Kränen und halb fertigen Bürotürmen gesprenkelte Skyline. Tauben drehen flatternd ihre Runden am blassblauen Himmel, der von Düsenjets in der Troposphäre mit Streifen wie Kreidespuren verschmiert ist. Ein Tag wie dieser sollte dunkler und trüber sein, sollte die Nachricht oder meine Stimmung widerspiegeln.

Ich kehre zurück auf die Intensivstation, setze mich neben Dads Bett und fasse seine Hand - etwas, was ich seit meiner Kindheit nicht mehr getan habe. Habe ich es als Kind getan? Ich muss es getan haben.

Ich betrachte sein Gesicht. Bis Mitte fünfzig hat er sein dichtes Haar getönt. Als er das Färbemittel wegwarf, wurde er über Nacht schlohweiß und alterte so würdevoll, wie er lebte. Ein Fremder könnte die Linien um seine Augen für Lachfältchen halten, aber die Furchen sind am tiefsten, wo seine Haut sich am häufigsten gefaltet hat, und illustrieren perfekt sein kritisches Wesen und seine allgemeine Unzufriedenheit mit den Menschen, vor allem mit seinen Kindern, ganz besonders mit mir.

Es fühlt sich seltsam an, ihm so nahe zu sein. Ich glaube nicht, dass ich jemals zehn Minuten mit meinem Dad allein verbracht habe, in denen er mich nicht erniedrigt oder beleidigt hat. Das ist vielleicht übertrieben, aber seine Ansichten waren überwiegend missbilligend und ablehnend. Kinder sollte man weder hören noch sehen. Niemals verhätscheln oder zu sehr loben.

Mein Vater hat nichts Leichtes, Spielerisches oder Schelmisches. Ich kann mich nicht erinnern, dass er irgendwann in meiner Kindheit Liedchen gesungen, Tänzchen aufgeführt oder herumgealbert hat. Er hat uns nicht durch den Garten gejagt, mit uns Verstecken gespielt oder auch nur mal mit lustig verstellter Stimme gesprochen. Er hat uns nicht angezogen, das Frühstück gemacht, vor der Schule abge


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