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Wie Liebe entsteht

Wie Liebe entsteht

von Raija Siekkinen


Inhalt - Frauen stehen im Mittelpunkt dieser zehn Erzählungen. Jede befindet sich in ihrem Leben an einem Scheideweg. Eine Kleinigkeit löst eine Gedankenkette ... mehr zum Inhalt

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E-Book
176 Seiten

2014 Dörlemann eBook
Sonstiger Urheber: David Wagner; Übersetzt von: Elina Kritzokat
ISBN 978-3-908778-57-8

Kurztext / Annotation

Frauen stehen im Mittelpunkt dieser zehn Erzählungen. Jede befindet sich in ihrem Leben an einem Scheideweg. Eine Kleinigkeit löst eine Gedankenkette aus, an deren Ende ein Neuanfang steht, eine banale Autofahrt wird zu einer Reise in ein neues Lebenskapitel. In der Titelerzählung "Wie Liebe entsteht" kämpft eine Frau mit den Folgen der Affäre ihres Mannes. In weiteren Geschichten müssen Frauen mit einer versuchten Vergewaltigung oder dem plötzlichen Tod ihres Mannes durch Herzversagen zurecht kommen.

RAIJA SIEKKINEN, geboren 1953 in Kotka, gehört zu den am meisten geschätzten finnischen Autorinnen. Sie veröffentlichte neun Kurzgeschichtenbände und mehrere Romane. Ihre Werke gelten als moderne Klassiker. Mit ihrem 1991 erschienenen Band Wie Liebe entsteht wurde sie für den Finlandia-Preis nominiert. Raija Siekkinen starb 2004 nachts im Schlaf bei einem Wohnungsbrand. Damit erscheint anlässlich des finnischen Gastauftritts an der Frankfurter Buchmesse erstmals ein Werk von Raija Siekkinen in deutscher Übersetzung. ELINA KRITZOKAT, geboren 1971, ist eine der gefragtesten Übersetzerinnen aus dem Finnischen. Raija Siekkinen gehört zu ihren Lieblingsautorinnen. DAVID WAGNER, geboren 1971, erhielt 2013 den Preis der Leipziger Buchmesse für sein Buch Leben. Im Frühjahr 2014 ist er der erste Friedrich Dürrenmatt-Gastprofessor für Weltliteratur an der Universität Bern.


Textauszug


Der letzte Sommertag

Ein Stück vom Ufer entfernt hob sich ein großer flacher Felsen aus dem Wasser. Alle, die ins Wasser gingen, schienen darauf zuschwimmen zu wollen, doch erst zwei hatten es im Laufe des Nachmittags bis dort geschafft. Mehr als ein paar hundert Meter waren es nicht, doch ein Großteil der Strecke lag ungeschützt, die Wellen kamen hoch und unregelmäßig. Man drehte lieber um und ließ sich zurücktreiben, ins ruhige Wasser vor dem Wellenbrecher.

Es war einer der letzten warmen Sommertage. Nach den Sommerferien hatte noch mal eine Hitzewelle eingesetzt, und der Strand, der schon zwei Wochen herbstlich verlassen gelegen hatte, nichts als plattgeregneter Sand, Blätter und Treibgut, war mit einem Mal wieder voller Leben. Die Sonne stand jedoch tiefer, und die Menschen wirkten langsam und träge, als wollten sie den Aufbruch hinauszögern.

Anna saß schon zwei Stunden hier, ein Stück vom Wasser entfernt, und schaute den Schwimmern zu, die den Felsen ansteuerten und dann umkehrten, als hätten sie gar kein Ziel gehabt. Hin und wieder sah sie zu dem Mädchen mit Zöpfen, das neben ihr eine Sandburg auftürmte und bröckelnde Stellen geduldig mit feuchtem Sand ausbesserte, der nach einer Weile doch wieder zu rieseln begann. Verstohlen musterte sie den Mann, der sich mit dem Blick zu ihr auf seinem Handtuch niedergelassen hatte und dessen dürre Beine sie abweisend angestarrt hatte, bis er sich wegdrehte. Jetzt sah sie seinen schmalen, knochigen Rücken, die Wirbelsäule wie ein Band verschieden großer Perlen. Anna lächelte, bohrte die Zehen in den Sand, bis sie die feuchte kühle Schicht berührten, und schloss die Augen.

Irgendetwas kitzelte in ihrem Nacken. Sie schüttelte energisch den Kopf, wischte mit der Hand über die Haut. Eine Mücke, dachte sie, aber es war ein Grashalm, der sich nicht fangen lassen wollte: Ari war vom Zigarettenholen zurückgekommen. Anna drehte sich um, lächelte matt, zündete sich eine Zigarette an und nahm ihre alte Position ein, das Gesicht zur Sonne. Schon spürte sie wieder den Grashalm, jetzt wanderte er ihren Rücken hinab.

"Du, hör mal."

"Ja?"

"Sollen wir nicht doch heiraten?"

Jetzt drehte sich Anna nicht zu ihm um. Ein frischer Wind strich ihr über die Haut, ließ sie an den Abend denken, daran, dass der Strand sich heute vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr leeren würde, dass der Sand bald nassregnen und gefrieren würde, schließlich unter Schnee läge und das Meer still unter Eis.

Wieder wagte sich jemand aus dem Schutz des Wellenbrechers hinaus. Anna beobachtete, wie der immer kleiner werdende Kopf sich dem Felsen näherte - und kurz davor umdrehte. Alle wollen hin, dachte sie, und niemand schafft es. Die Bedeutung des Felsens, eines ganz gewöhnlichen Felsens, der sich sanft aus den Wellen hob, wurde größer mit jedem, der es vergeblich versuchte.

Als sie sich in den Sand legte, mit dem Kopf auf dem Unterarm, und die Augen schloss, wusste sie, dass der Sommer vorüber war; der wärmste seit hundert Jahren. Vom Frühjahr bis in den Herbst hatte die Hitze mit nur wenigen Unterbrechungen über dem Land gelegen, unbewegt, das Meer war ruhig und warm gewesen, morgens hatte es sogar zart gedampft. Die Leute, verblüfft von solch einem Wetter, hatten die Terrassen der Restaurants bevölkert, bis den Brauereien das Bier ausging. Noch nie hatte ein Sommer sich so lang angefühlt, dachte Anna, und sie, die Wärme liebte, hatte noch nie zuvor sein Ende herbeigesehnt.

Ein Schatten fiel auf ihre geschlossenen Augen; das Rot der Sonne wurde fast schwarz, dann wieder rot. Anna machte die Augen auf. Das Mädchen mit den


Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet


Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Raija Siekkinen, geboren 1953 in Kotka, gehört zu den am meisten geschätzten finnischen Autorinnen. Sie veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichtenbände und mehrere Romane. Raija Siekkinen verstarb 2004 nachts im Schlaf bei einem Brand ihres Hauses.

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