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Foucault. Eine Einführung

Foucault. Eine Einführung

von Peter Sich


Inhalt - Michel Foucaults Ausführungen über Macht, Diskurs und Sexualität sind auch für heutige Diskussionen grundlegend. Mehr und mehr schält sich dabei die ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Reclams Universal-Bibliothek
180 Seiten

2018 Reclam Verlag
ISBN 978-3-15-961351-2

Kurztext / Annotation

Michel Foucaults Ausführungen über Macht, Diskurs und Sexualität sind auch für heutige Diskussionen grundlegend. Mehr und mehr schält sich dabei die Frage nach der Konstitution des Subjekts als ein Kernproblem des foucaultschen Denkens heraus. Anhand dieses Leitmotivs systematisiert Peter Sich in seinem Einführungsband Foucaults verzweigtes Werk in zeitlicher und thematischer Hinsicht. Neben einem Einführungskapitel runden ein Glossar der foucaultschen Kernbegriffe, eine kommentierte Bibliographie ausgewählter Forschungsliteratur sowie eine ausführliche Zeittafel das Buch ab. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Peter Sich, geb. 1984, unterrichtete als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter Philosophie und Medienkulturwissenschaft an verschiedenen Universitäten, als freier Journalist schrieb er u. a. für die SZ und die FAZ. Er arbeitet derzeit als Verlagslektor.


Textauszug

[28] Archäologie und Wissen

In Foucaults früher Phase findet sich der Methodenbegriff 'Archäologie' bereits in den Buchtiteln prominent wieder: Die Geburt der Klinik wird im Untertitel als Eine Archäologie des ärztlichen Blicks bezeichnet, Die Ordnung der Dinge als Eine Archäologie der Humanwissenschaften . Und die Archäologie des Wissens erläutert eben eine solche.

Der dadurch erweckte Eindruck, bei der Archäologie handele es sich um eine einheitliche Methode, täuscht allerdings. Zwar besteht eine gewisse Konstanz in der Vorgehensweise der frühen historischen Untersuchungen, jedoch wird die Methode wie erwähnt stets in Konfrontation mit dem jeweiligen Thema entwickelt und fortgeschrieben. Konkrete Systematisierungsschübe erhält die Archäologie vor allem in Die Ordnung der Dinge , speziell in den Vorworten, sowie in der nachfolgenden Archäologie des Wissens . Doch auch zwischen diesen beiden Arbeiten bestehen erhebliche methodische Differenzen. Denn die Archäologie des Wissens stellt weniger eine Zusammenfassung der zuvor angewandten archäologischen Methode dar, sondern nimmt an dieser und ihren theoretischen Grundlagen subtile bis maßgebliche Veränderungen vor. Und bezeichnenderweise ist mit dieser Methodenreflexion die archäologische Phase weitgehend abgeschlossen, jedenfalls folgt ihr keine größere archäologisch orientierte Untersuchung mehr.

Die Archäologie ist jedoch mehr als bloß ein methodisches Programm, sondern geht mit einigen geschichts- und wissenschaftsphilosophischen Grundannahmen Hand in Hand. Dabei ersetzt Foucault die Idee eines beständigen Fortschritts, in dem die Wissenschaften durch immer [29] höhere Rationalität zu immer genaueren Erkenntnissen gelangen, durch ein Modell, das die Entwicklung des Wissens als sich ablösende Konstellationen von Wahrheitsbedingungen versteht. Denn die Tatsache, dass sich die Wissensmodelle im Laufe der Geschichte geändert haben, "heißt nicht, daß die Vernunft Fortschritte gemacht hat, sondern daß die Seinsweise der Dinge und der Ordnung grundlegend verändert worden ist, die die Dinge dem Wissen anbietet, indem sie sie aufteilt".

Dabei dient als heuristische Grundannahme die Frage: "Was aber, wenn empirisches Wissen zu einer gegebenen Zeit und innerhalb einer gegebenen Kultur wirklich eine wohldefinierte Regelmäßigkeit besäße?", man also annehmen könnte, dass das Denken einer Epoche einer vorgängigen, vorbewussten Ordnung unterliegt? Die Rekonstruktion entsprechender Regeln und der damit einhergehenden Gültigkeitskriterien und Möglichkeitsbedingungen für Aussagen, also desjenigen, was Foucault als " positives Unbewußtes des Wissens" bezeichnet, ist Ziel der Archäologie. Die so rekonstruierten Regeln sind aber eben nicht überhistorisch und universell, sondern singulär in je spezifischen Epochen auftauchende Phänomene. Innerhalb dieser Epochen bildet nicht eine überzeitliche Wahrheit das Gültigkeitskriterium von Aussagen, sondern deren In-Einklang-Sein mit den zeitgenössisch gültigen Regeln. So steht im Mittelpunkt von Foucaults Interesse nicht das Nachzeichnen des Fortschritts bestimmter Erkenntnisse, sondern die Analyse der Regeln, nach denen sich Wissen und in dessen Nachfolge Wissenschaften organisieren. Schon allein auf diese Weise grenzt sich die Foucault'sche Archäologie von gängigen Modellen der [30] Wissenschaftsgeschichte ab; sie ist nämlich gar keine. Gemäß der Archäologie stellen die positiven Wissenschaften nur Oberflächenphänomene dar, die auf einer tieferen Wissensordnung aufbauen. Die Archäologie versucht entsprechend, die Organisationsformen und -regeln des Wissens als solche zum Vorschein zu bringen.

Die "Gesamtheit der Regeln, die eine diskursive Praxis charakterisieren", bezeichnet Foucault dabei als " historisches Apriori ". Der Begriff ist gewollt paradox. Weder in sein


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