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Die Wunderwelt der Bienen

Die Wunderwelt der Bienen

von Jürgen Tautz; Diedrich Steen


Inhalt - Alles über unser Lieblingsinsekt Wer Bienen beobachtet, schaut auf einzigartige Weise dem Leben beim Leben zu. Doch auch wenn es so aussieht, als herrsche ... mehr zum Inhalt

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E-Book
Ein Rundgang durch die Honigfabrik
272 Seiten

2019 Penguin Verlag
ISBN 978-3-641-25083-6

Kurztext / Annotation

Alles über unser Lieblingsinsekt
Wer Bienen beobachtet, schaut auf einzigartige Weise dem Leben beim Leben zu. Doch auch wenn es so aussieht, als herrsche bei den Bienen vor allem anarchische Krabbelei: Sie haben einen Plan, den sie mit erstaunlichem Geschick, faszinierenden Fähigkeiten und in bemerkenswerter Teamarbeit umsetzen. Wie dieses Leben in einem Bienenvolk funktioniert, davon erzählt dieses Buch. Es lädt ein zu einem Gang durch die Honigfabrik - eine Wunderwelt voll eigenwilliger Typen, cleverer Praktiken und verblüffender Regelwerke. Und es macht uns bewusst, dass der Mensch ohne die Bienen nicht überleben kann. Das Hardcover ist 2017 unter dem Titel "Die Honigfabrik" beim Gütersloher Verlagshaus erschienen.
Mit farbigem Bildteil.

Jürgen Tautz, geboren 1949, ist Verhaltensforscher, Soziobiologe und Bienenexperte. Er ist Professor em. am Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Seit 2006 entwickelt und leitet Tautz das interdisziplinäre Projekt HOneyBee Online Studies (HOBOS). Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und wurde für die populäre Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2012 mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.


Textauszug


K APITEL II

S AISONARBEIT IM R HYTHMUS DER J AHRESZEITEN -

TEAMWORK IN DER HONIGFABRIK

Die Honigfabrik ist ein Saisonbetrieb. Im Winter ruhen die meisten Aktivitäten und das Personal beschäftigt sich in erster Linie damit, sich gegenseitig warm zu halten. Wenn die Tage wieder länger werden, kommt dann nach und nach neues Leben in die Bude. Die Königin fängt nach der Brutpause im Winter wieder mit der Eiablage an und bald schlüpfen die ersten jungen Bienen. Das Volk nimmt an Zahl zu, es "wächst". Etwa im Juli, wenn die Blütezeit in der Natur zu Ende geht, hat es seine größte Stärke erreicht. Im Hochsommer und im frühen Herbst nimmt die Volksstärke wieder ab, bis schließlich nur die Winterbienen übrig sind. Um sie soll es im ersten Abschnitt dieses Kapitels, der von den Arbeiterinnen in der Honigfabrik erzählt, zuerst gehen.

1. Frauenpower im Bienenvolk - von dicken Mädchen, Geschwisterliebe und wütenden Amazonen

An einem Tag im späten September oder im frühen Oktober ist es soweit: Eine Arbeiterin beginnt, sich mühevoll in ihr Dasein buchstäblich durchzubeißen. Drei Wochen nachdem die Königin das Ei gelegt hat, aus dem die junge Biene entstanden ist, nagt sie den Wachsdeckel auf, mit dem ihre älteren Schwestern ihre Puppenstube geschützt haben. Ist das Loch groß genug, presst und zieht sie sich aus der eng gewordenen Zelle. Etwas wackelig, mit noch leicht verknautschten Flügeln steht sie dann auf der Wabe, umwuselt von den Schwestern, die die Neue nur beiläufig zur Kenntnis nehmen. Sie ist schließlich nur eine von vielen, die an diesem Tag, wie an jedem Tag des zurückliegenden halben Jahres auch, geschlüpft ist.

Winterbienen

Und dennoch sind unsere kleine Biene und all die anderen, die in diesen Tagen ihre Brutzellen verlassen, besonders: Es sind Winterbienen. Sie werden nicht, wie ihre Schwestern, die im Frühjahr oder Sommer schlüpften, nur sechs bis acht Wochen leben. Ihre Lebenserwartung ist mit sechs bis sieben Monaten um ein Vielfaches höher. Erst im März oder April des Folgejahres werden sie eine nach der anderen von einem Sammelflug nicht mehr in den Stock zurückkehren.

Zuvor aber haben sie besondere Aufgaben in einer besonderen Zeit. Es ist Herbst. Draußen blüht nur noch wenig. Die Königin legt jetzt deutlich weniger Eier als im Frühjahr und im Sommer. Die Zahl der Bienen im Stock nimmt ab und das Volk bereitet sich auf den Winter vor. Sammelflüge bringen gerade so viel Nektar und Pollen, dass die Stockbienen und die heranwachsende Brut versorgt werden können. Der Wintervorrat - 20 kg Zuckersirup, mit dem die Bienen gefüttert wurden, nachdem der Imker dem Volk den Honig entnommen hatte - muss noch nicht angebrochen werden. Aber das wird sich bald ändern.

Im fortgeschrittenen Jahr, spätestens ab Anfang Dezember, gibt es für ein Volk in unseren Breiten draußen nichts mehr zu holen. Es blüht nichts mehr und es ist so kalt, dass an Flüge nicht zu denken ist. Alles, was das Bienenvolk braucht, um den Winter zu überleben und im Frühjahr wieder wachsen zu können, muss jetzt in den Waben lagern. Denn lange bevor draußen die Blüten des Frühjahrs neue Nahrung versprechen, beginnt für ein Bienenvolk schon das neue Bienenjahr. Nach der Wintersonnenwende, spätestens mit den ersten wärmeren Tagen Ende Februar und Anfang März, beginnt die Königin von neuem mit der Eiablage. Aus den Eiern schlüpfen nach drei Tagen die Larven und diese brauchen für ihre Entwicklung nicht nur die Energie, die in Form von Kohlenhydraten im eingelagerten Zucker vorhanden ist, sie brauchen vor allem auch Eiweiß und Fette.

Und hier kommen die Winterbienen ins Spiel. Die erste wichtige Aufgabe, die sie nach dem Schlupf haben, ist, sich ein Bäuchlein zuzulegen. Das fällt ihnen nicht schwer, denn es ist


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