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Rezensionen



Eher tragisch als komisch 19. Mai 2019
Solomon Matzner liebt seine italienische Frau Cici mit ganzem Herzen und beide freuen sich auf ihr erstes Kind. Doch nach einer Fehlgeburt kapselt Cici sich ab und verkriecht sich in einer eigenen Welt. Solomon adoptiert ein Kind um Cici wieder Freude am Leben zu schenken. Cici liebt ihre Tochter Cheri abgöttisch und sie konzentriert sich fast ausschließlich auf ihr Kind.
Mir hat der Anfang des Buches sehr gut gefallen. Das Mädchen Miriam geht in eine Klinik, bekommt ihr Kind und lässt es dort zurück. Billy Beal leistet in der Klinik Sozialstunden ab und ist sogleich fasziniert von Miriam und von dem Baby, das zunächst als Pflegekind in Billys Familie kommt und bald danach von Solomon adoptiert wird.
Ich habe lange darauf gewartet, dass Billy und auch Miriam noch einmal auftauchen, doch stattdessen konzentrierte sich das Geschehen sehr stark auf Cici. Dieser Teil des Romans zieht sich für meinen Geschmack wie ein Kaugummi in die Länge und es geschieht irgendwie nichts.
Irgendwann nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf, als es um Cheris Leben geht. Sie weiß nicht wirklich etwas über ihre Vergangenheit und sie ist mit ihrem Leben nicht so wirklich zufrieden. Nach dem ersten Drittel ist es der Autorin Tracy Barone endgültig gelungen, mich zu begeistern für ihren Schreibstil und die etwas ungewöhnliche Art, Cheris Geschichte zu erzählen.
Sehr gut gefällt mir das Vorgehen von Cheris Psychologin, Dr. Marlene Vega, die sehr einfühlsam und empathisch Cheri dazu bringt, sich mit ihrem Leben und ihrer Familie auseinanderzusetzen.
Traurig macht mich das Verhältnis zwischen Cheri und ihrem Vater Solomon, von dem sie sich nie angenommen und geliebt fühlte. Das Wissen, dass der Leser über Solomons Leben und die Gründe für sein Verhalten erlangt hat, fehlt Cheri natürlich.
Cheri hat ein sehr bewegtes und bewegendes Leben geführt, das erst nach und nach fühlbar und greifbar wird und mich hin- und hergerissen zurücklässt.

Ein tierischer Vaterschaftstest mit Folgen 19. Mai 2019
von LEXI
"Wenn jemand dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin. Wenn dir einer den Mantel wegnimmt, dann weigere dich nicht, ihm auch noch das Hemd zu geben." - Meinst du, das gilt auch für Ziegen?"

Die Ankunft eines merkwürdigen Trios sorgt auf dem Reiterhof für Aufregung. Anstatt drei kürzlich erworbene Schafe werden ein Lama namens Hedwig, das Hängebauchschwein Julius und Ziege Leopoldine aus dem Transporter geladen. Die beiden Freundinnen Emma und Nele stehen diesen drei seltsamen tierischen Exemplaren etwas ratlos gegenüber. Das Lama spuckt, sobald es Nele mit ihrem typischen grünen Försterhut auf dem Kopf erblickt, und die Ziege hat es definitiv auf diesen Hut abgesehen. Auch „Windhauch“, Emmas wunderschöner roter Fuchs, löst ebenfalls Turbulenzen aus, als sich herausstellt, dass er trotz attestierter Zeugungsunfähigkeit bald Vater wird. Die Besitzerin der Stute „La Belle“ ist außer sich vor Wut und droht mit Konsequenzen, Emma und Nele versuchen zu vermitteln. Auf dem Dressurwettbewerb „Balve Optimum“ begegnen die beiden Mädchen dem wunderschönen Rappen Olymp, und Emma beginnt für den eleganten Reiter Michael Rost zu schwärmen. Die Einladung zu einem geheimnisvollen Treffen mit einem Unbekannten lässt Emmas und Neles Herz höherschlagen, sie rätseln, was und wer hinter dieser Botschaft stecken könnte. Den Mädchen stehen aufregende Tage bevor, die durch das Wunder der Geburt eines kleinen Fohlens ihren Höhepunkt finden. Und letztendlich stellen Emma und Nele fest, dass es keinen „spannenderen und wunderschöneren Ort“ als den Reiterhof gibt.

Mit „Chaostage“ präsentiert Janita Pauliks den dritten Band der Buchreihe „Mit Herz und Hufen“ mit Emma und Nele als Protagonisten und dem Reiterhof als Schauplatz der Handlung. Auch als Neueinsteiger findet man sich dank kleiner Hinweise auf Ereignisse in der Vergangenheit gut zurecht. Das ehemalige Stadtmädchen Emma wuchs in einem liebevollen und gläubigen Elternhaus auf und hat in ihrem kurzen Leben bereits die Erfahrung gemacht, dass Gott Dinge möglich machte, die für sie kaum vorstellbar waren. Ihre Sorgen und Ängste bringt sie im Gebet vor ihren himmlischen Vater und lebt mit der felsenfesten Überzeugung, sich immer auf ihn verlassen zu können. Emma ist es auch, die ihrer Freundin Nele eine Bibel schenkt und mit ihr über den Glauben spricht. Emmas verrückte Freundin mit dem verrückten grünen Försterhut bringt ihr Umfeld mit ihrer direkten, unverblümten Art zum Lachen. Sie zeigt Emma, was eine echte Freundschaft ausmacht, wie toll das Leben mit Tieren, und wie wunderschön es auf dem Reiterhof ist. Neles dickköpfiger Dackel mit dem ungewöhnlichen Namen „Der kleine Wolf“ hängt wie eine Klette an seinem Frauchen und wirbelt mit Nele und Emma durch das gesamte Buch.

Die Autorin besitzt einen locker-leichten, durch humorvolle Passagen bereicherten Schreibstil, bringt in ihre Handlung jedoch auch wichtige Themen ein. Sie lädt ihre jugendlichen Leser nämlich nicht nur zu einem Abenteuer auf dem Reiterhof ein, sondern vermittelt zugleich auch christliche Werte. Die lesefreundliche Schriftgröße und der großzügige Zeilenabstand sorgten darüber hinaus für ungetrübtes Lesevergnügen.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter!

Frisch und emotional 19. Mai 2019
von Tara
"Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt" ist ein berührendes Jugendbuch der Autorin Carol Weston, in dem der Leser die 14-jährige Sofia über ein Jahr durch ihre Höhen und Tiefen begleitet.
Durch ein Hirnaneurysma hat Sofia ihre Mutter Maria verloren, die an der Schule auf die sie geht, unterrichtet hat. Obwohl sie sich mit ihrem Vater gut versteht, kommen keine tieferen Gespräche zwischen ihnen zustande, beide trauern auf ihre Weise und vermissen Maria. Zum Glück gibt es den Online-Ratgeber "Frag Kate" und Sofia beginnt ihre Sorgen und Fragen an Kate zu senden. Als ob Sofias Leben nicht schon schwierig genug wäre, verleibt sich ihr Vater auch noch in eine neue Frau…

Sehr einfühlsam und authentisch beschreibt Carol Weston die Gefühlswelt von Sofia. Obwohl es ihr zwischendurch schon wieder gelingt ein wenig glücklich zu sein, ist die Trauer um ihre verlorenen Mutter stets präsent.
Sofia ist eine sehr sympathische Protagonistin, verletzlich und ein wenig durcheinander, aber immer authentisch. Auch die übrigen Charaktere wie ihre Freundin Kiki, ihr Vater, Kate und ihre Tochter Alexa, die später auch noch eine Rolle in Sofias Leben spielt, werden liebevoll, aber auch mit kleinen Fehlern dargestellt. Während Sofia eher zurückhaltend ist, ist Kiki genau das Gegenteil von ihr – forsch und neugierig, aber stets rücksichtsvoll gegenüber Sophia. Mit Alexa kommt noch einmal mehr Leben in die Handlung, da sie alles andere als zurückhaltend ist, sagt was ihr in den Sinn kommt und keine Rücksicht auf die Gefühle anderer nimmt.
In Sofias Leben gibt es eine Menge Veränderungen und diese ohne Mutter zu bewältigen ist gar nicht mal so einfach. Immer wieder spürt man wie sehr Sophia sie vermisst.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Monat für Monat begleitet man Sofia durch das Jahr in dem sie viele Erfahrungen sammelt und eine enorme Entwicklung durchmacht. Ihre Gefühle sind nachvollziehbar und man leidet mit ihr. Aber es gibt auch viele lustige Momente und ich habe beim Lesen immer wieder vor mich hingegrinst.
Ich habe das Buch genauso gerne gelesen wie meine beiden Töchter und kann diesen Jugendroman auch älteren Lesern nur empfehlen.
TOller Reihenauftakt 19. Mai 2019
Detective Inspektor Ben Kitto, seines Zeichens Spezialist für Undercover-Einsätze in London, steckt nach dem Tod seiner Ermittler-Partnerin Claire in einer Sinnkrise und nimmt sich eine Auszeit. Dazu kehrt er in seine alte Heimat Bryher auf den Scilly Inseln zurück. Kaum angekommen, muss er sich mit dem Verschwinden der 16-jährigen Laura beschäftigen, das sich schnell als Mordfall herausstellt.
Aufgrund des schlechten Wetters ist Ben vorerst auf sich alleine gestellt. Nicht die schlechteste Idee, denn Ben kennt Land und Leute und weiß mit dem wortkargen Menschen umzugehen.
Die Ermittlungen gestalten sich dennoch als schwierig, da es, obwohl Bryher nur knapp 100 Einwohner hat, so ziemlich jeder Erwachsene verdächtig ist.
Als er mit Eddie einen jungen engagierten Kollegen zur Seite gestellt bekommt, scheint der Fall bald gelöst zu werden, wären da nicht noch ein paar Ungereimtheiten...

Meine Meinung:

Dieser Krimi enthält ob der geografischen Lage und des schlechten Wetters Elemente einer „locked room“-Erzählung. Niemand kann von der Insel weg und niemand, außer der SpuSi darf die Insel betreten. Aus langjähriger Erfahrung weiß Ben, dass der Täter meistens im engen Umkreis des Opfers zu finden ist. Da bieten sich doch gleich einmal der Freund sowie der arbeitslose Vater des Opfers an. Geschickt versucht Ben Puzzleteil für Puzzleteil zusammenzusetzen. Die Autorin lässt sich mit der überraschenden, aber schlüssigen Auflösung lange Zeit. Sie führt Ermittler und Leser ein wenig an der Nase herum. Ben ist mit der Einschätzung, dass der Täter aus dem Umfeld kommt, nicht daneben gelegen.

Der Krimi selbst ist eher ruhig, beschaulich, obgleich das grausliche Wetter eine große Rolle spielt. Die Leser erfahren von den Alltagssorgen der Einwohner, von ihren Eigenheiten und Marotten und lernen einiges über den Bootsbau.
Das Geheimnis um den Tod von Claire wird erst spät gelüftet. Die vielen kleinen Andeutungen lassen die Leser in eine ganz andere Richtung Vermutungen anstellen.

Die Auszeit und der komplexe Mordfall sowie eine Information zu Claires Tod, lassen Ben den Polizeidienst doch nicht quittieren. Es scheint, als ob wir uns auf eine Fortsetzung mit Ben Kitto freuen dürfen.

Der Schreibstil ist angenehm. Die Erzählperspektive aus Bens Sicht ein wenig ungewöhnlich.

Fazit:

Wer gerne ruhige Krimis mag, ist hier gut bedient. Gerne gebe ich diesem Reihenauftakt 4 Sterne.

Der blutrote Teppich
von Christof Weigold
Eine perfekte gelungene Fortsetzung 19. Mai 2019
Mit Spannung habe ich die Fortsetzung von „Der Mann der nicht mitspielt“ erwartet und bin nicht enttäuscht worden.

Worum geht’s?

Hardy Engel, in dessen Leben einiges mit der Vorsilbe Ex beginnt (also Ex-Deutscher, Ex-Soldat, Ex-Polizist und auch Ex-Schauspieler), wird in den mysteriösen Todesfall von Regisseur William Desmond Taylor verwickelt. Immerhin hätte Hardy in Taylors Auftrag eine junge Frau beschatten sollen. Wie es in Hollywood der 1920er Jahre üblich ist, herrschen die Filmmogule über ein Heer von Schauspielern und Drehbuchautoren. Um den Schein zu wahren, werden unliebsame Personen zumindest mundtot gemacht, wenn nicht gar so richtig getötet. „Scheinmoral“ ist häufig der zweite Vorname der einen oder anderen Filmgröße.
Diesmal erhält Hardy charmante Unterstützung durch Polly Brandeis und ihren Mops Enrico. Auch Polly ist nicht das, was sie vorgibt zu sein. Natürlich dürfen auch die netten und fiesen Figuren aus dem ersten Teil nicht fehlen. So begegnen wir wieder Hardys Freund und Barkeeper Buck und den Polizisten Catanza und Gordon, für die sich der Autor ein besonderes Schicksal ausgedacht hat.
Außerdem kreuzen bekannte Leinwandgrößen unseren Weg. Welches Geheimnis verbergen Charlie Chaplin und sein Bruder? Für wen sind die Drogen? Und welches Spiel wird hier gespielt? Manchmal wähnt sich Hardy Engel im falschen Film.

Meine Meinung:

Christof Weigand ist eine tolle Fortsetzung gelungen. Allerdings bietet Hollywood ja jede Menge Stoff für Krimis. Hier ist einige nut Talmi und nicht alles ist Gold was glänzt. Korrupte Polizisten, drogensüchtige Stars und Starlets, die über Leichen gehen, um ein Rolle in einem Film zu ergattern. Ja, das ist der Stoff aus dem tolle Krimis gemacht werden. Doch die besten Zutaten nützen nichts, wenn der Koch, also in dem Fall der Autor, nicht die richtige Mischung aus Spannung, Psychogramm und Hintergrundinformation sowie sperrigen Charakteren verarbeitet - doch hier passt das wirklich perfekt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Handlung ist ja in den 1920er Jahren angesiedelt, an der Schwelle zum Tonfilm, daher darf eine Portion Slapstick auch nicht fehlen.

Herrlich die Szene, in der Polly die Höschensammlung durchwühlt, und neidisch auf die zarten Seide blickt.

Der Weg zur Auflösung ist steinig und mit der einen oder anderen Leiche gepflastert. Hardy muss einige Umwege und Sackgassen in Kauf nehmen, bis es ihm gelingt, den wahren Täter ausfindig zu machen. Wir Leser zittern mit unserem wackeren Helden mit. Sei es im Flugzeug oder sei es bei den zahlreichen Verfolgungsjagden - Hollywood eben.

Echt klasse ist auch wieder das Cover.

Fazit:

Christof Weigand ist ein fesselnde Fortsetzung gelungen, die die Seiten nur so dahin fliegen lässt. Gerne gebe ich begesiterte 5 Stern und eine Leseempfehlung.
Ein schöner Überblick über die LIteratenszene in Wien um 1900 19. Mai 2019
David Österle nimmt uns in seinem Debüt in das Wien um 1900 mit.
Die Hauptstadt der Donaumonarchie sonnt sich in ihrem morbiden Glanz. Auf der einen Seite Großbürger und deren Mäzenatum, auf der anderen Seite bittere Armut.

Wir treffen hier die jungen Wilden der Literaturszene wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hoffmannsthal oder Felix Salten. Die einen von ihrer Herkunft her saturiert wie Schnitzler, der eine oder andere wie Felix Salten eher vermögenslos. Allen gemeinsam ist die Liebe zum geschriebenen Wort, zu schönen Frauen und ihre jüdische Herkunft.

Die Männer treffen sich ab 1890 im Café Griensteidl (das leider nach mehreren Pleiten letztes Jahr endgültig seine Pforten schließen musste), später übersiedelt ein Teil der Gruppe ins Caé Central, das schon Peter Altenberg quasi okkupiert hat.
Man trifft sich auch in privaten Salons, frönt diversen Suchtmitteln und verbringt viel Zeit miteinander, doch Freunde sind die Männer nicht. Manchmal geraten sie harsch aneinander, sind sie ja jeder für sich eine „Diva“. Der gesamte Kreis befindet sich im Umbruch, althergebrachtes über Bord zu werfen und sich neu zu erfinden. Der latent vorhandene Antisemitismus, der heraufziehende Untergang der Donaumonarchie, diese teils melancholische Stimmung wirkt sich auf die Werke der Literaten aus.

Meine Meinung:

Die Sammlung dieser Kurzbiografien ist ganz gut gelungen. Vor allem Auszüge aus den Werken und/oder Briefen sowie die vielen Fotos bereichern das Buch. Die eine oder andere Anekdote, die bislang vielleicht noch unbekannt war, ergänzt die eher wissenschaftlich angelegte Gruppenbiografie.

Damit gleich zum Schreibstil: David Österle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ludwig Boltzmann Institut mit Forschungsschwerpunkt „Die Literatur der Jahrhundertwende und Kulturtheorie“. Daher schreibt er sehr sachlich. Der Funke der Begeisterung für einen der Schriftsteller will bei mir jetzt nicht so recht überspringen.

Das Buch eignet sich sehr gut als Geschenk für Freunde der altösterreichischen Literaten, die allesamt große Werke geschaffen haben. Manchem ist die Ehre erst nach dem Tod zuteil geworden.
Der Verlag Kremayr & Scheriau hat, wie wir es von ihm gewöhnt sind, ein Buch in gediegener Ausstattung herausgebracht: Gebunden, mit Leinenstruktur, das Coverfoto ist in Sepia gehalten, die Schriftgröße ist angenehm zu lesen und das Papier greift sich angenehm an.

Fazit:

Ein schöner Überblick über die männliche Literaturszene des Fin de Siècle. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Weingeschichten aus Friaul
von Johannes Gans; Eva Wrazdil
EIn Genuss-Reiseführer 19. Mai 2019
Autor Johannes Gans macht gemeinsam mit der Fotografin Eva Wrazdil den Lesern Lust, eines der vierzig beschriebenen Weingüter zu besuchen.

Der Autor hat bewusst Weingüter ausgesucht, die lieber Klasse statt Masse produzieren, lieber weniger Umsatz, dafür ausgezeichnete Qualität.

Johannes Gans stellt kleine, aber feine Weingüter zwischen San Daniele und Triest vor. Ihnen ist gemeinsam, dass sie das Keltern der Trauben als Passion verstehen und ihr ganzes Herzblut hineinstecken. Für einige von ihnen ist lange Tradition Winzer zu sein wie „Conte d’Attimis-Maniago“ in Buttrio seit 1585, für andere ein Neuanfang. Auffällig häufig finden sich hier Winzerinnen.

Jedes Weingut wird extra vorgestellt. Häufig kommen die Eigentümer mit aufs Bild. Immer wieder werden regionale Besonderheiten hervorgehoben und die exklusiven Weine beim Namen genannt. Die wunderschönen Fotos von Eva Wrazdil wecken die Sehnsucht, sich ins Auto zu setzen und nach Cividale, nach Gorizia oder nach Triest zu fahren und im Abendlicht ein Glas des köstlichen Weines zu genießen. Es dürfen auch getrost mehr Gläser sein, denn die meisten Weingüter bieten eine Übernachtungsmöglichkeit an.

Ich werde mich vorsichtig an die köstlichen Rotweine herantasten, bietet doch die feine Vinothek „Sussitz“ in Wien, einige der genannten Weine um Verkauf an. Natürlich kann ein dislozierter Genuss mit einem Besuch eines Weingutes nicht mithalten, trägt doch das Ambiente zur Leidenschaft bei.


Fazit:

Gerne gebe ich diesem Genuss-Reiseführer eine Empfehlung und 5 Sterne. Mandi!

Als der Wagen nicht kam
von Manfred Lütz; Paulus van Husen
Ein sehr persönlicher Einblick 19. Mai 2019
Dieses Buch ist die Autobiografie von Paulus van Husen, behutsam redigiert und von seinem Großneffen Manfred Lütz herausgegeben.

Paulus van Husen ist sein ganzes Leben Beamter. Auch in den Zeiten, in denen er keine offizielle Anstellung beim jeweiligen Staat hat, ist er „ein Diener des Staates“. Er schafft es, wie einige wenige Andere, nicht der NSDAP beizutreten und trotzdem einen Job im Regime zu erhalten. Hier sei gesagt, dass er als Richter des Reichsverwaltungsgericht und später im OKW (Oberkommando der Wehrmacht) gearbeitet hat. Seine juristischen Kenntnisse sind gefragt, deshalb kommt er mehr oder weniger unbehelligt durch. Er schließt sich dem „Kreisauer Kreis“ und damit dem Widerstand gegen Adolf Hitler an. Nur mit Mühe und viel Glück überlebt er die Folgen des missglückten Attentates vom 20. Juli 1944.
Nach dem Krieg wird er Mitbegründer der CDU und gestaltet die Verfassung des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen mit.

Meine Meinung:

Dieses anhand der Tagebücher seines Großonkels verfasste Buch hat mir sehr gut gefallen. Es schildert aus erster Hand, wenn auch natürlich sehr subjektiv, die Lage Deutschlands vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik bis hin zur Nazi-Herrschaft.

Eine kleine Kritik muss ich anbringen: Paulus van Husen erwähnt den Genozid an den Juden nur ganz nebenbei und tut so, wie viele Deutsche: Er hätte davon lange nichts gewusst. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein Mann in seiner Position soll keine oder erst sehr spät Kenntnis von den Vernichtungslagern erhalten haben? Das fällt mir schwer zu glauben. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass van Husen dies nicht zu Papier bringen konnte/wollte oder Manfred Lütz hat diese Tagebucheinträge entfernt. Immerhin, hat Paulus van Husen, der ja auch für seine Familie zu sorgen hatte, sich dem Widerstand verschrieben.

Der Schreibstil wird nicht allen Lesern gefallen, ist er doch eher trocken, Beamtendeutsch eben. Ich finde ihn gerade deshalb sehr eingängig, weil trotz aller Subjektivität (Autobiografie!), sehr sachlich.
Sehr interessant sind die Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler beschrieben. Hier findet sich auch der Konnex zum Titel, der in zwei Richtungen gedeutet werden kann. Erstens, hätte bei Gelingen Paulus van Husen in der neuen Regierung eine maßgebliche Rolle spielen sollen, das versprochene Auto hat ihn aber nicht abgeholt. Andererseits musste er Angst haben, als Mitverschwörer enttarnt zu werden, und von der Gestapo abgeholt zu werden. In den beiden Fällen kam der Wagen nicht.

Fazit:

Ein sehr persönlicher Einblick in die Welt eines Juristen, der Monarchie, deren Zerfall, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Nazi-Diktatur, den Zweiten Weltkrieg und die Wiederauferstehung Deutschlands erlebt und teilweise auch mitgestaltet hat. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Im Taumel
von Kersten Knipp
Leider einige Fehler 19. Mai 2019
Passend zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und der Neuordnung Europas 1919 ist dieses Buch erschienen.

Es beleuchtet die Ausgangslage, die zu diesem als „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichneten Zusammenbruch der großen Monarchien geführt hat.

In fünf ausführlichen Teilen mit mehreren Kapiteln versucht der Autor dem geneigten Leser die unterschiedlichen Standpunkte näher zu bringen.

Letzte Erbmasse
Diplomatie im Krieg
Die Quellen des Hasses
Die Stunden der Autokraten
Prinzip Hoffnung

Im dritten Teil, bezeichnenderweise als „Quelle des Hasses“ genannt geht Knipp detailliert auf die Ereignisse während der Friedenskonferenzen ein. Er ortet hier den Grundstein für die nächsten Auseinandersetzungen. Einige Nachfolgerstaaten haben hier durch geschicktes Agieren, das manchmal das ausschließlich eigenen (durchaus auch persönlichen) Interessen gedient hat, die Siegermächte, allen voran die Amerikaner unter Wilson beeinflusst.
Es sind hier neue Grenzen, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen, entstanden. Die Fehler, die man dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn angekreidet hat, sind im kleinen Maßstab in den Nachfolgerstaaten wiederholt worden.

Autor Kersten Knipp, seines Zeichens Journalist und Publizist zieht einerseits nüchtern Bilanz über den Ersten Weltkrieg, verzettelt sich aber in einigen Teilen des Buches. Dabei kommt er manchmal recht weit vom Jahr 1918 ab. Das mag man ihm noch verzeihen, ist das Abschweifen doch hinreichend interessant. Was aber unentschuldbar ist, sind historische Fehler. Ein für mich als Österreicherin besonders schmerzhafter gefällig?

Auf Seite 86, behauptet der Autor, Franz Ferdinand (1863-1914) sei der Thronfolger von Kaiser Joseph II. (1741-1790) statt von Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916). Auch die Aussage, Franz Ferdinand hätte der Idee des „Trialismus“ (also ein Staatengebilde Österreich-Ungarn-Böhmen und Mähren oder mit Südslawien als dritten im Bunde) nichts abgewinnen können, stimmt so nicht. Im Gegenteil der Thronfolger war zeitweise ein Förderer dieser Idee.

So ein Fehler ist weder eines Journalisten noch des Verlages würdig. Hier hätte eine Zeittafel oder die Auflistung der Lebensdaten im Personenregister Abhilfe schaffen können.

„Das ist kein Frieden. Es ist ein Waffenstillstand auf zwanzig Jahre.
Marschall Ferdinand Foch über den Vertrag von Versailles (1919)“ - wie recht er doch hatte.

Fazit:

Ein ausführliches Buch über das Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wegen einiger doch gravierender Fehler, kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Der Jaga und der Koch
von Christoph Burgstaller; Rudolf Obauer
Das perfekte Geschenk für Jaga, Köche und Gourmets 19. Mai 2019
Über dieses Buch habe ich mich sehr gefreut. Es ist mit mehr als 2kg kein Leichtgewicht. Das Buch besticht durch hochwertige Verarbeitung, wunderschöne Fotos und informative Texte.

Entstanden ist diese tolle Geschenkidee durch die Zusammenarbeit von Jäger Christoph Burgstaller und Koch Rudi Obauer. Das Werk gliedert sich in zwei große Bereiche: die Jagerei und die Kocherei.

„Was bei der Jagd und bei der guten Küche wirklich zählt: Respekt vor der Schöpfung, Einklang mit der Natur.“

Den Teil über die Jagd finde ich äußerst interessant. Hier erfährt der geneigte Leser wer in der Vergangenheit (Adel, Klerus manchmal auch Bauern) welche Tiere (Hochwild, Niederwild) jagen durfte. Das ist mir zwar in großen Zügen bekannt, aber die vielen Details haben mir doch wieder einige neue Informationen beschert.
Das „Jagern“ ist nicht das unkontrollierte, Alkohol vernebelte „Losballern“ auf alles was sich bewegt (manchmal auch mit menschlicher Beute) sondern Hege und Pflege der Natur. Christoph Burgstaller erklärt sachlich ohne zu schulmeistern, mit ein bisschen Humor worauf es beim Jagen ankommt: Neben der richtigen Büchse samt Munition, spielen der passende Hund sowie jede Menge Geduld eine große Rolle. Nicht zu vergessen, ist der Respekt vor der Natur und den Lebewesen.

Ist das Wild nun erlegt, so tritt Rudi Obauer in Aktion. Mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe zu köstlichen Gerichten, verarbeitet er alle Teile des Wildes zu. Nur ausgewählte Stücke wie Filet oder Schlögel zu verarbeiten, widerspricht seiner Auffassung von Nachhaltigkeit. Obauer verschwendet kein Stückchen Wild. Die Abschnitzel bei der Zubereitung können mit passenden Kräutern abgeschmeckt als Wurstmasse Verwendung finden. Obauer schöpft aus seiner langjährigen Erfahrung und verzichtet auf Schicki-Micki. Seine Speisen sind dem edlen Fleisch angemessen, manchmal sogar puristisch zubereitet, sodass sich der volle Geschmack des Wildes entfalten kann.

Ich bin ein Fan von Wildgerichten (ohne zu jagen) und habe hier einige Anregungen gefunden, die ich demnächst ausprobieren möchte.

Fazit:
Ein perfektes Geschenk für Jäger, Köche und Menschen, die das Ergebnis von Jagd und Küche mögen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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